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Kurzgeschichten
Geschichten aus dem Motorradleben
Als ich letzt kurz vor der Fertigstellung meines "Boliden";-) war, fehlte
mir noch
eine Schraube Gewinde Zoll...
Ich ging auf einen Rat hin zu einer Harley Davidson Werkstatt
"dieses Problem lässt sich auch anders lösen" ,"bringen sie mal ihre
Maschine vorbei dann schauen wir genauer"
Peinlich denn ich hatte ja keine "Maschine"
egal dachte ich mir, nahm meinen Mut zusammen und fuhr vor.
Obwohl dort ein Dutzend gestandener "Rocker" auf mich warteten, bekam ich
nicht wie erwartet
Hohn und Spott, sondern genaue Angaben, sogar Ideen zur Verbesserung.
Ich habe später sogar einen Ehrenwinterstellplatz bekommen ...
(Geht normalerweise nicht wegen des fehlenden Hubraumes)
Ist schon seltsam im Kolbensport aber so soll es sein..
Stephan Deiß
Puch Maxi 2-25
Der Kolben
Die Geschichte beginnt wie fast alle Motorradgeschichten mit einer Ausfahrt.
Ort der Handlung: Schleswig - Holsteinische Schweiz
Zeitpunkt: Ein schöner Sonntag ende 50 anfangs der 60 Jahre irgendwann im
Sommer.
Treffpunkt: das Vereinslokal an der Ohe Chaussee, die Landstraße
zwischen Schnelsen und Norderstedt gegen 9.oo Uhr morgens.
Wir hatten uns mit einigen Clubfreunden zu einer Ausfahrt getroffen,
Freundinnen durften auch mitgebracht werden, mussten aber Sattelfest sein.
Die Fahrt ging gemütlich über die Landstraße Richtung Bad Segeberg.
Wir hatten auch ein klares Ziel vor Augen, ein kleiner Ort im nirgendwo.
Nach Überfahren des Ortsschildes unseres Zielortes machte die Maschine
unseres Vereinsvorsitzenden
(eine Puch 175 SG) ein etwas merkwürdiges Geräusch – Öööö Ööö –
Die sofort herangeeilten Sachverständigen des Ortes und des Vereins,
prognostizierten umgehend einen Motorschaden.
Was Tun?
Also erst einmal zwecks Schadensfeststellung, wurde eine Bestandsaufnahme
des gesamten Werkzeuges der Mitglieder vorgenommen, Auspacken der
Werkzeugkästen; Tankrucksäcke und alles, wo eine Schraube oder Schlüssel
vermutet wurde, entleert.
Das Resultat war ernüchternd, Schraubenschlüssel, die keiner wirklich
brauchen konnte,
Kettenschlösser, Unterbrecherkontakte, Ventile, 2 abgefahrene Ritzel,
Flickzeug, 4 Vergaserdüsen.
Einer hatte sogar eine komplette Kupplung mit.
Inzwischen sind die Experten zu dem Schluss gekommen, dass es an sich nur um
den hinteren Kolben handeln könne.
Wir beschlossen erst einmal unser Vorhaben, in der Gaststätte unser
Mittagessen einzunehmen, in die Tat umzusetzen.
Der Wirt hatte von unserem Unglück schon gehört und empfahl uns den Schmied
der einige Hauser weiter sei Domizile hatte, zu befragen, der wäre in
solchen Dingen der kompetenteste im Ort.
Nach einem Vorzüglichen und überaus reichhaltigem Sauerfleisch Buffet,
machten wir uns unter Vermittlung des Wirtes auf und besuchten den Schmied.
Nachdem wir unser Anliegen ausführlich geschildert haben, ihm war das meiste
schon bekannt, bat er uns mit der Maschine in seine Werkstatt.
Unter der qualifizierten Anleitung der umstehenden Dorfbewohner war der
passende Schlüssel schnell gefunden und schwupp der Zylinderkopf war runter.
Die Sachverständigen übertrumpften sich in der gegenseitigen Zustimmung
ihrer Prognosen.
Der hintere Koben hatte ein nicht zu übersehendes Loch.
Der Schmied ein Korifee seines Fachs, es war nicht zu übersehn, alleine das
Einfahrtstor war eine Glanzleistung seiner Schmiedekunst.
Riss mit einem Schwung den Kolben an sich und stellte ihn auf dem Amboss ab.
Das Auswechseln des Brenners seines Schweißgerätes geschah sofort mit der
anderen Hand,
der Neue hatte die Ausmaße eines Wasserrohres.
Mit der Erklärung, er wolle den Kolben nur ein wenig anwärmen, schnitt er
von einer Blechtafel einen feine Streifen Aluminium ab.
Nach seiner Erfahrung könne man das Löten, erklärte er uns sachverständig.
Der Kolben wurde fachmännisch erhitzt und nachdem sich auf dem Kolben ein
klein wenig die Konsistenz der Masse veränderte stocherte er mit dem
Alustreifen in dem Loch herum.
Nach einer halben Stunde gab allerdings der Kolben auf und verwandelte sich
auf dem Amboss in eine nicht so richtig zu definierende Masse.
Die darauf hin unverständliche Reaktion unsers Vereinsvorsitzenden und
Eigentümer des Rades,
„Dad Ding ist ja nicht mal mehr als Aschenbecher zu gebrauchen.“
Wurde von Umstehenden doch mit ein wenig Unverstand zur Kenntnis genommen.
Der Schmied bot uns nun als Gegenleistung an, das Motorrad bis zum nächsten
Wochenende, kostenlos in seinem Schuppen aufzubewahren, in Ermangelung einer
anderen Gelegenheit stimmten wir dem zu.
Vor der Schmiede wurde dann noch einmal von jedem eine eidesstattliche
Versicherung abgegeben, bei der nächsten Ausfahrt zumindest einen passenden
Schlüssel und einen Kolben dabei zu haben.
So endete der Sonntag doch noch für alle um eine Erfahrung reicher und bei
schönem Wetter.
Für die Wahrheit der Geschichte verbürge ich mich, nur den Ort verrat ich
nicht.
„Suppenfoxoschi“