Die Arbeitsgemeinschaft der Puch- und  Oldiefahrer aus dem Europäischen Raum.
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3. Int. Großglockner Trophy 2006
in Memorial Helmut Krackowizer


einfach "incredible"



Einfach incredible, ja incredible! Nämlich genau dass haben sich die an die 20 Engländer heuer ganz bestimmt wieder gedacht als sie unseren Größten gesehen haben und da auch noch raufgefahren sind. Für unsere nicht Englisch sprachigen Leser, inkredible heißt so viel wie unglaublich.
Unglaublich, dass ist sicher der passende Ausdruck, wenn man sich vorstellt, dass an einem gewissen ersten Juli Wochenende 2006 wieder mal Maschinen da rauffuhren die teilweise schon mehr als 70 oder 80 Jahre auf dem Buckel haben und teilweise schon fast so viel kosten wie ein Einfamilienhaus.

Wie schon die vorhergegangen Veranstaltung gings auch heuer wieder bis zum Fuscher Törl, sprich für die Fahrer, ging es drum eine Länge von 13,5km und einen Höhenunterschied von 1260 m zu meistern.
Man hatte sogar schon mal überlegt bis ganz hinauf zu fahren, doch das wäre dann doch schon etwas zu viel des Guten gewesen.
Die 13,5km vom Start bei der Mautstation bis zum Fuscher Törl haben es aber auch in sich, aber bei aller Anstrengung für Mensch und Material, bietet sich einen als Lohn der Mühe auch eine der schönsten Aussichten, die man sich vorstellen kann, ob oben in aller ruhe im Ziel oder gar mal kurz während der Fahrt, einfach ein unglaubliches Panorama.

Die Großglockner-Straße, ohne jeglichen Patriotismus meinerseits, sicher eine der wunderschönsten und beeindruckendsten Alpenstraßen auf der Welt. Die Straße fügt sich in einer unglaublichen Art und Weise in den Berg hinein. Nur einmal alle zwei Jahr bietet sich für Menschen auf diesem Planeten die Möglichkeit diese Straße abgesperrt und bei vollem Tempo hinauf zu donnern, aber das Ganze nur für ausgewählte historische Rennmotorräder, alles in allem an die 120, mehr nicht.

Bild 1, 2 und 3

Diese einmalige Möglichkeit ist hauptsächlich Rennmotorrädern englischer und italienischer Herkunft vorbehalten, doch auch Österreichische Puch's finden Ihren Platz.

So wie heuer sogar das erste Mal ein deutscher Gast, sein Name Matthias Sibbenhühner, der eine Puch den Berg rauftreiben durfte, und zwar eine S4 aus 1939. Er konnte dieses seltene und schöne Rennmotorrad aus den Händen von Georg Boschbach aus der Nähe von Köln sein Eigen nennen, und das Ganze auch nicht zu unrecht, wie er eindrucksvoll am Glockner vorführte.

Bild 4

Am schnellsten kam die Puch vom Hermann Stöckl, bekannter Puch-Händler aus NÖ, den Berg hoch. Der Großglockner sollte heuer der einzige Ort sein in diesem Jahr, an dem der RBO "Prototyp" im Renntrimm eingesetzt wird. In dieser SGSS steckt eigentlich alles drinnen, was man sich für gutes Geld im Nachbau auch beim ihm kaufen kann (und noch mehr).

Bild 5

Weiters wurde eine ganz besondere Puch vom Willi Lercher eingesetzt. Eine SGSS 250, und zwar die mit der ein gewisser Helmut Inzko 1965 österreichischer Staatsmeister werden sollte. In Wirklichkeit wurde Inzko in diesem Jahr nur indirekt mit der Puch Staatsmeister, er fuhr nicht die komplette Saison auf der Puch sondern bedient sich zeitweilig auch stärkeren Untersatzes, doch irgendwie kann man es auch so ansehen das Er mit der Puch Meister wurde, aber das ist eine andere Geschichte...
Das Motorrad ist in einem guten Zustand und weißt noch viele Original Inzko Teile auf.

Bild 6

Zu guter Letzt muss ich mich noch selber erwähnen, ich fuhr mit der SVS 175 quasi die 4 Puch im Bunde. Vor zwei Jahren hatte ich noch die Ehre auf englischen Untersatz in Form einer Rudge TT-Repl. 250 den Glockner hoch zu donnern, doch mit der Puch musste man doch da auch mal rauf, wann hat man schon die Gelegenheit ...

Bild 7, 8, 9, 10, 11, 12 und 13

Am Trophy Wochenende und auch schon vorher wurde viel Englisch gesprochen, wieso eigentlich diese große Verbindung zwischen England und dem Großglockner? Es gibt keine Veranstaltung dieser Art in Österreich die so viel englische Maschinen und Engländer anzieht wie die Großglockner Trophy. Dieses innige Verhältnis hat natürlich seinen Grund, da gehören mehrere Personen erwähnt, zum einen Mal die Drei ohne denen es diese Veranstaltung sicher nicht gäbe.

Als Erstes möchte ich hier den Prof. Dr. Helmut Krackowizer erwähnen, der Österreichische "Mister Rudge" aus Salzburg, der im Herbst 2001 (80) leider von uns ging aber in unseren Herzen sicher immer weiter leben wird. Er war eine unbeschreibliche Persönlichkeit der Oldtimer Szene, selber begnadeter Rennfahrer der Vor- u. Nachkriegszeit, hauptsächlich eben auf Motorrädern englischer Herkunft unterwegs, und das Ganze auch ganz erfolgreich. Er pflegt als einer der wenigen wirklich außerordentlich gute Beziehungen nach England, fuhr bei der TT die Lap of Honor auf der Rudge, besaß selber einige wertvolle Rudge's und machte sehr viel für unseren Sport. Ob Ausstellungen, Zeichnungen, Berichte oder Fotos, es gibt so vieles, das er der Welt hinterlassen hat und glücklicherweise gibt es da heute noch den Peter Krackowizer, der sein Erbe weiterführt.



Bild 14

Auch wenn er selber von der Technik der Motorräder und dem Wissen der alten Zeit nicht das unvergleichbare Wissen seines Vaters hat, er gibt sein bestes dafür, dass er alles so weiterführt wie es sein Vater seinerzeit geschaffen hat und das macht er erstaunlich gut. Ohne ihm würde es die Großglockner Trophy nicht geben. Er ist ein großer Teil von Leuten, die den Traum seines Vaters wahr werden ließen, nämlich das nach gut 70 Jahren wieder Rennmotorräder im Renntempo den Großglockner rauffahren.

Ohne eine gewisse Person würde das ganz auch nie möglich sein, sein Name, Thomas Fritsch aus Zell am See. Er war ein guter Freund vom Dr. Helmut Krackowizer und hat sehr viele Freunde in England. Fast ausschließlich seinen guten Beziehungen nach England ist es zu verdanken, dass am Großglockner schon Leute wie Sammy Miller, John Biggs, Alan Robinson, August Hobl, Andrew Bennett und so weiter gestartet sind und auch heuer wieder dabei waren. Heuer fuhr er wieder seine schnelle Norton Inter 500 (Bild), doch heuer etwas nicht ganz so ungestüm, landete er doch vor 2 Jahren auf der Jagd nach der Bestzeit in einer der legendären Steinmauern des Großglockners mit Ihr.

Bild 15

Ein Gang durchs Fahrerlager bei der Großglockner Trophy machte mit Sicherheit jeden klar, so viel schöne, seltene, wertvolle und schnelle Motorräder bekommt man nicht jeden Tag zu sehen. Ein paar besondere Stücke schauen wir und ein wenig genauer an:

Bild 16

Eine der 4 Norton Manx 500 die am Glockner zu Gast waren, und zwar die vom Salzburger Walter Wartbichler. 6 Fahrer schafften es dieses Jahr unter die Magische 10min Schallmauer, Walter Wartbichler war einer von Ihnen, und zwar sogar fast der Schnellste, aber nur fast. Sebastian Gutsch mit der Vorkriegs (!) BMW R5 fuhr 09:21. 41min und war damit noch etwas schneller wie Wartbichler mit 09:29. 51min.
Also die schnellste Zeit heuer nach Deutschland.

Bild 17

Aus Deutschland kam diese schöne 350 NSU, seinerzeit um 1934 vom Engländer Tom Bullus entworfen und auch gefahren, gehört diese hier heute dem Deutschen Hans Cramer. Er fuhr die schöne Königswelle in einer Zeit von 13:09. 55min den Berg hoch.

Bild 18

Gleich zwei waren da von diesen netten deutschen Spielzeugen. Und auch sollte gesagt sein das seinerzeit die größten Feinde dieser IFA-DKW RE 125 mit Sicherheit die Österreichische Puch`s vom Stamm der SL und SVS Serien waren. Ich dachte mir da, na ja, gefundenes Fressen, die sollte ich doch leicht den Erdboden gleich machen, doch zu früh gefreut, eine sollte sogar noch schneller sein wie ich mit der Puch (Linortner 15:24. 74), aber nur eine, die Zweite konnte ich noch biegen (Schönlebe: 15:25. 51min), wenn`s auch knapp war. Aber na wartet nur Ihr IFA's, bald kommt Schwanenstadt und hoffentlich auch wieder Ingolstadt, dann geht`s wieder Mann gegen Mann, am Rundkurs!
Gebaut wurden Sie um 1952.

Bild 19

Eine ganz legendäre und schnelle Engländerin neben einer nicht minder bekannten Italienerin. Die Rede ist von der Matchless G50 500 aus 1960 (Bild Links) und der Moto Guzzi Dondolino 500 aus dem Jahre 1947. Beide Maschinen waren in deutscher Hand, die Matchless von Graf Hermann Pückler und die Guzzi von Erhard Linke. Man konnte es auch fast nicht glauben, die Italienerin hatte die Schnauze vorn, lag aber daran das die Matchless es mit der langen Ersten nicht gerade einfach hatte den Berg hoch und aus den Kehren raus.
Linke 11:59. 37min und Pückler 13:18. 40min. Insgesamt waren 4 G50 am Start, die Dondolino vom Linke sollte die Einzige gewesen sein am Glockner.

Bild 20

Siegermaschine in der Gleichmäßigkeit in der Klasse B, also Rennmotorräder über 350cc bis Baujahr 1939. Die Rudge Spezial 500 aus 1939 von Bruno Schnyder aus der Schweiz. Er war nicht nur gleichmäßig sondern auch schnell unterwegs, mit einer Zeit von 11:16. 56min war er auch einer der schnellsten (6.) seiner Klasse.

Bild 21 und 22

Ein Paradies für Fans der Black Ladys aus England, die Marke Rudge war sehr stark vertreten, links sieht man die Original Werks Rudge vom Mike Farrell aus England, die er aber nicht fuhr. Mitte die Rudge Ulster 500 von Karel Kupaka und die TT 500 von seinen Tschechischen Landsmann Marek Odehnal.

Bild 23

Auf dieser seltenen und schönen Engländerin saß auch ein Engländer, Gary Williams fuhr diese Norton 18 aus 1926. Im Vergleich, schnellste Norton 18, Christian Engelhardt fuhr 10:03. 02min und Williams fuhr 17:2. 70min, na ja, die Engländer können sich ja ein wenig trösten, bei Ihnen sind halt die Berge nicht so hoch wie bei uns. Aber trotzdem schön dieser 18 beim Laufen zu sehen, sieht man nicht jeden Tag.

Bild 24

Wunderschöne Triumph T 90 vom Deutschen Erich Mälcher aus 1937.

Bild 25

Klein aber fein, nur nicht zu viel her rumbasteln, ganz simpel und einfach konstruiert dieser kleine Renner aus Italien, die MV Agusta 150 von Hartmut Gläß aus Deutschland war die schnellste der kleinen Renner. Mit einer Zeit von 11:53.40min konnten sich aber auch ganz viele der Großen verstecken! Is halt so, nur PS alleine bringen`s auch nicht, was nützt einem ein aufgetunter 60 PS starker 500 1 Zylinder Manx im Federbettrahmen, wenn eine 150cc max. 15 PS schwache Agusta um fast eine Minute schneller am Berg oben ist.

Bild 26

Inmitten des Fahrerlagers war Volksfeststimmung, Grund dafür waren die rund 7 Starter mit Anhang aus Slowenien. Beim Gespann mit der 118 handelt es sich um eine Dnjepr 650, dieses Gespann, gefahren von Zibert/Kovac, ist auch gleichzeitig die Siegermaschine der Renngespanne in der Gleichmäßigkeit 2006. Mit einer Abweichung von 3,3sec waren die beiden die Gleichmäßigsten. Die Stimmung war sehr gut bei den beiden, alleine schon, nachdem sie nach dem 2 Lauf oben im Ziel ankamen, die beiden Freuden sich schon darüber, wie kleine Kinder den man sagt das morgen schulfrei ist.

Bild 27

Aerodynamik Mitte der 30er Jahre!
Ein ganz besonderes Schmankerl kam aus England. Eine Norton, aber nicht irgendeine, sondern was sehr Seltenes. Die ehemals Londoner Marke Norton war am Glockner stark vertreten, insgesamt standen 18 dieser schönen und schnellen Renner am Start. Diese Norton (Bild) fuhr aber nicht beim Rennen, sondern wurde lediglich zur Show zweimal vom ihren Besitzer, dem sympathischen Engländer Rogers Stuart, angeworfen und ein paar Meter bewegt. Beim Rennen fuhr Stuart eine schnelle Norton Inter 500 (10: 40min). Stuart kam heuer zum ersten Mal am Glockner, und hatte mit seiner Norton Weltrekord Maschine aus 1937, basierend auf der Legendären international Baureihe von Norton Mitte der 30er Jahre, eine der, für mich persönlich, interessantesten Maschinen am Glockner dabei. Diese Norton besitzt keine Vorderradbremse, das gesamte Motorrad besteht noch aus fast ausschließlich Originalteilen der 30er Jahre und der 500ccm starke Königswellen Einzylinder sollte seinerzeit für gut über 200Km/h gut gewesen sein.
Ebenso kommt aus dem Megaphon dieser Norton ein unvergleichbarer Sound, der die 3 Ducati 999 S, die kurz vorher noch im Hintergrund zu hören waren, urplötzlich ganz still wurden ließ.

Bild 28

Waren 2006 auch wieder dabei, Mann und Frau Caroline aus England mit Ihren Morgen Super Aero. Dieses 3 rädrige Geschoss Baujahr 1928 wir von einem 1260-ccm-V2 Jap Motor befeuert und fuhr den Glockner in einer Zeit von 10:34. 01min rauf. Damit ging gleichzeitig der Sieg nach Geschwindigkeit nach England, Caroline/Caroline waren damit die Einzigen, die es in der Renngespannklasse unter 11 Minuten schafften, nächst schnellstes Gespann, die Österreicher Föttinger/Walz (BMW R69) schafften es in 11:11. 48min.

Bild 29

Kurz vorm Start zum 2 Lauf, v.h.n.v., Linortner Puch, Lercher Puch, Bossert Moto Morini, Gläß MV Agusta. Die Moto Morini vom Schweizer Fredi Bossert konnte ich sogar mit der Puch noch überholen.

Bild 30

Die Spinnen die Engländer. Gut er hat lange Beine der Aubrey Morris. Aber es ist trotzdem gar nicht so einfach sowas mit einer 1939 Rudge Rapid 350 anzustellen, nämlich ganz und gar nicht, doch es geht, aber das Wissen nur die Engländer, sonst keiner.


Schlusswort zur Großglockner Trophy 2006, viele Engländer, viel englisches Maschinenmaterial, eine der schönsten Bergrennstrecken der Welt, einiges Drumherum, kein stressiger Zeitplan, man hat viel Zeit um sich alles an zu schauen, nur ausgesuchte Rennmaschine, gute Stimmung, lediglich zwei harmlose Stürze, unbedingt zu empfehlen, kann zwar nicht jeder teilnehmen, aber anschauen, und das ist es sicher auch schon Wert.
Also, wenn alles gut geht, gibt`s 2008 die 4. Int. Großglockner Trophy.


Copyright
Text und Foto: Alex Linortner

 

                             

letzte Aktualisierung: 30.11.2006 -S.(54)-
 

 

 


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