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GIPFELSTURM MIT 6,5 PS

Ein PUCH-Roller bezwingt die Glocknerstraße

 

Wer kennt sie nicht, DIE Traumstraße der österreichischen Alpen, DIE Pflichtstrecke für jeden echten Motortouristen - die GROSSGLOCKNER-HOCHALPENSTRASSE. Ist sie schon für beinahe jeden Besitzer eines "normalen" Autos oder Motorrades eine "Pflichtübung", so reizt sie natürlich den Besitzer eines historischen Kraftfahrzeuges noch viel mehr. Einmal den Glockner mit seinem "Oldie" zu bezwingen, das ist doch irgendwie sicherlich der geheime Wunschtraum eines jeden Oldtimer-Fans. Viele haben sich diesen Wunsch schon erfüllt, und alle Jahre wieder kann man an schönen Tagen zahlreiche Autos und Motorräder aus vergangenen Epochen beobachten, wie sie den "Kampf" mit den steilen Steigungen und engen Kurven dieser wunderbaren Bergstraße aufnehmen.

Auch mich hat der Gedanke schon immer gereizt, einmal den Glockner zu "bezwingen". Im Jahr 1988 hatte ich erstmals dazu die Gelegenheit, diese Straße zu befahren, allerdings mit meinem Alltagsauto. Ich war von der herrlichen Berglandschaft und der schönen und sehr gut ausgebauten Strecke begeistert, und als ich dann noch einige alte Motorräder beim Erklimmen der steilen Strecke beobachten konnte, war es für mich sonnenklar: Auch ich wollte diese Bergstraße einmal mit einem meiner Oldtimer-Motorräder bewältigen.

Leider war in jenem Sommer keine Gelegenheit mehr dazu, und so musste dieses Projekt um ein Jahr verschoben werden. Aber als sich im späten August 1989 eine längere Schönwetterperiode ankündigte, da wusste ich, jetzt wird gefahren! Vor die Wahl gestellt, mit welchem Motorrad ich fahren sollte, fiel meine Entscheidung schließlich auf einen meiner beiden PUCH-Roller. Neben dem Reiz, diese sehr steile und anstrengende Strecke mit einem Fahrzeug mit nur 6,5 PS zu bewältigen, hat sicherlich auch die bewährte Gebläsekühlung des Roller-Motors zu dieser Entscheidung beigetragen. Dieser Motor ist nämlich aufgrund seiner Zwangsbelüftung geradezu ideal für langsames Fahren mit hoher Drehzahl auf Bergstrassen. Im Gegensatz zu fahrtwindgekühlten Motoren, welche in solchen Situationen recht gerne mit Kolbenklemmen, Glühzündungen und ähnlichen Scherzen auf solcherlei doppelte Belastung durch hohe Umdrehungszahlen (= starke Hitze) und geringste Fahrtgeschwindigkeiten (= geringste Kühlung) reagieren, reguliert ein solcher gebläsegekühlter Motor die Menge der erforderlichen Kühlluft selbst (Hohe Drehzahl = viel Kühlluft).

Doch nun genug der technischen Details. Wie bereits gesagt, es war Ende August, eine Schönwetterperiode war angesagt, und ich begann diese Tour vorzubereiten. Die ebenfalls sehr wichtige Frage der Anreise zum Großglockner wurde kurzerhand gelöst: Obwohl ich diese Fahrt in einem Tag abspulen wollte (Ein so kurzfristig geplanter Urlaubstag ist ja bekanntlich schon eine Feinheit für jeden Chef, aber ein Zweiter dazu gehört meistens schon in den Bereich der schönen Wunschträume), und bei dem ganzen Projekt der Spaß an der Sache nicht zu kurz kommen sollte, vertraute ich voll auf meinen PUCH SRA 150, und wählte die "sportlichere" Methode der Anreise per Achse. Also hieß es Roller gründlich durchchecken, volltanken, und als am Dienstag abends dann auch noch der Wetterbericht für Mittwoch herrlichstes Spätsommerwetter verlautete, hieß es bald ab ins Bett, denn am nächsten Tag war sehr früh Weckruf. Nach ein paar Stunden Schlaf ging es dann im ersten Morgengrauen zu meiner Garage, und mit den ersten Sonnenstrahlen des erwachenden Morgen ging ich mit meinem PUCH-Roller auf große Fahrt, und ein langer und schöner Oldtimertag begann.

Die Strecke hatte ich bewusst auf verkehrsarmen aber dennoch gut ausgebauten Nebenstrassen geplant, weitab jeder Autobahn, denn eine solche stundenlange Vollgasjagd hätte mit Sicherheit das Aus für meinen Roller bedeutet, und trotz aller Anstrengungen wäre ich dennoch ein Verkehrshindernis geblieben und hätte mich weiters noch einem gewaltigen Risiko ausgesetzt. Außerdem ist so eine Fahrt über Nebenstrassen um vieles interessanter, man sieht wesentlich mehr von der ganzen Gegend und kann Land und Leute um einiges besser kennenlernen, als bei einer hektischen Autobahnfahrt. Und so fuhr ich denn von Steyr weg über Pettenbach, Gmunden, entlang des schönen Traunsees, durch die alte Kaiserstadt Bad Ischl, und weiter durch das herrliche Salzkammergut über St.Gilgen nach Hallein. In der Gegend um Bad Ischl setzte dann auch der Morgenverkehr ein, aber das Fahrzeugaufkommen hielt sich eigentlich die ganze Zeit in Grenzen. Ab Hallein fuhr ich dann durch das wildromantische Tal der Salzach, vorbei an Kuchl und Golling bis nach Bischofshofen. Trotz der parallel zu diesem Streckenabschnitt laufenden Tauernautobahn war auf dieser Nord-Süd Transitstrecke der Verkehr stark angestiegen, und ich war froh, als ich in Bischofshofen diese Strecke und die vielen Lkws hinter mir lassen konnte. Hier hieß es auch zum ersten Mal Nachtanken. Der Inhalt des Kraftstofftanks war auf einen bedenklich niederen Stand, praktisch schon Reserve, und so suchte ich die nächste Tankstelle auf, wo reichlich Treibstoff für den Roller (Benzin) und auch für mich (Kaffee und Wurstsemmeln) ausgefaßt wurde. Immerhin hatte ich knappe 200 Fahrtkilometer, also ein gutes Drittel der Gesamtstrecke bereits hinter mir, auch war es gerade so um 8.00 Uhr Morgens, also die ideale Zeit für ein kleines Gabelfrühstück. Noch ein kurzer Check des Getriebölstandes, alles O.K., und weiter ging es bei leider auch nicht gerade geringem Verkehr über Bruck und Fusch zur Mautstelle in Ferleiten. Nach einer guten Stunde Fahrt und rund 60 Kilometern stand ich dann vor den Schranken der Mautkasse. Die Anreise zur Glocknerstraße war damit geschafft

Beim Bezahlen der Maut kam dann die erste, wenn auch freudige, unerwartete Überraschung des Tages: Offenbar in Unkenntnis über die Produktpalette der PUCH-Werke in Graz, wurde mein braver SRA 150 mit den Worten "Schau an, so ein schönes DS 50!" als Moped klassifiziert, und ich brauchte nur den ja bekanntlich ganz geringen Mauttarif für "Motorfahrräder" zu berappen. Anschließend ging es auf ins Vergnügen. Die Glocknerstraße beginnt ja nach der Mautstelle steil zu steigen, und mir blieb eigentlich nur eines zu tun: In den zweiten Gang schalten und fahren. Mit dieser Übersetzung zieht der PUCH-Roller so schön ruhig und gleichmäßig auch über die steilste Steigung, dass es eine wahre Freude ist! Das erreichte Tempo langt immerhin aus, um an den zahlreichen Radfahrern vorbeizukommen, die sich dem Glockner entgegenquälen, also, der Langsamste ist man nicht, und auf eine hohe Geschwindigkeit kommt es ja auch nicht an!

Und so erreichte ich nach einer guten halben Stunde Fahrt den höchsten Punkt, der in Österreich mit einem Fahrzeug erreicht werden kann - die Edelweißspitze, 2571 Meter Seehöhe. Eine ausgiebige Rast gab dem Roller Zeit zum Auskühlen und mir gute Gelegenheiten, einige schöne Fotos zu schießen. Nachdem ich mir aber auch vorgenommen hatte, bis hin zum Großglockner "vorzustoßen", ging die Fahrt nun weiter über Fuscher Törl, Mittertörl und Hochtor in Richtung Franz-Josefs-Höhe. Die Strecke stieg bis zum Hochtor immer leicht an, dann fiel sie steil ab, und nach der Abzweigung in Richtung Franz-Josefs-Höhe begann sie wieder steil zu steigen, eine echte Herausforderung für Motor, Kupplung und Getriebe! So, noch eine letzte Kurve, und da lag er vor mir im strahlenden Sonnenschein, in seiner ganzen majestätischen Pracht. Der höchste Berg Österreichs, der Großglockner! Der Roller wurde aufgebockt, und eine ausgiebige Mittagsrast stand auf dem Programm

Von der Heimfahrt gibt es eigentlich nicht mehr sehr viel zu berichten, als dass es erneut die ganze Großglockner-Hochalpenstraße retour ging bis zur Mautstelle, und dann bis nach Bischofshofen. Bei derselben Tankstelle wie bei der Hinfahrt wurde der im Tank verbliebene knappe Liter Benzinvorrat wieder ergänzt, und der Roller vollgetankt. Die letzte Etappe der Fahrt nach Hause von rund 200 Kilometern lag noch vor mir, und es ging sofort wieder weiter in Richtung Heimat. Wiederum durch das Salzkammergut, entlang des Wolfgang- und Traunsees an einem herrlichen Spätnachmittag. Während der Fahrt durch die Täler der Flüsse Traun, Krems, Steyr und Enns zeichnete die tiefstehende Abendsonne schon lange Schatten vor mir auf die Straße, und so traf ich dann nach rund 600 Kilometern oder 16 Stunden wieder wohlbehalten, müde und ehrlich geschafft, im schönsten Abendrot bei meiner Garage ein. Eine nachträgliche Berechnung hat dann noch ergeben, dass die reine Fahrzeit rund 13 Stunden betragen hat, und das der Roller auf dieser Tour gute 18 Liter Treibstoff verbraucht hat. Für alle die es interessiert, mit dem Roller gestartet bin ich zirka um 4.00 Uhr morgens und am Abend war ich so um 20.00 Uhr herum wieder daheim bei der Garage! Eine ausgiebige Tagestour also, vielleicht in etwas kürzerer Zeit zu bewältigen, wenn man statt mit dem Roller mit einem "normalen" Oldie-Motorrad fahren würde. Aber das werde ich sicher auch noch herausfinden!

Denn ohne Zweifel, es war ein wunderbares Erlebnis, welches ich unter keinen Umständen missen möchte! Uns auch jetzt, wenn ich – mittlerweile 20 Jahre später - hier vor meinem PC sitze, diesen Reisebericht schreibe, die Fotos anschaue, und in Erinnerungen schwelge, dann weiß ich es ganz genau, er ruft mich erneut, der Glockner, und ich freue mich schon jetzt auf die schönen Momente einer solchen Fahrt, und hoffe dass es nicht mehr allzu lange dauern wird, bis ich wieder Gelegenheit haben werde, DIE Traumstraße der österreichischen Alpen mit einem Oldtimer zu bezwingen, die GROSSGLOCKNER-HOCHALPENSTRASSE !

Fahrtbericht von Andy Pils aus Steyr ©

 

 

 
 
 

 

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